Das neue Frankfurt der Bücher

Frankfurt am Main
Frankfurt am Main Quelle: Immerlesen.net

Von André Störr, 12. Mai 2020

Der Buchmarkt ohne Buchmesse? Das war – wie so Vieles – bis vor wenigen Wochen unvorstellbar. Eine Frühjahrsbuchmesse in Leipzig und dann das ultimative Branchenevent im Oktober, das jährliche Weltereignis, die eng getakteten Geschäftsgespräche, die abendlichen Feiern, das Übernachten in viel zu teuren Hotels und das Schieben durch verstopfte Gänge am Wochenende, die Frankfurter Buchmesse – das war der Rhythmus, der Herzschlag, der die Buchbranche in Deutschland antrieb. Er war es.

Die Leipziger Buchmesse 2020 war eines der ersten Opfer von SARS-CoV-2, dem Corono-Virus. Das Lesefest sollte vom 12. bis 15. März stattfinden. Eine Woche vor Beginn, noch bevor ein Lockdown in Deutschland für möglich gehalten wurde und während im Leipziger Stadion noch vor ausverkauftem Haus Champions League gespielt wurde, sagten die Veranstalter die Messe ab. Wie wir heute wissen, eine überaus verantwortungsbewusste Entscheidung, die womöglich entscheidend dazu beigetragen hat, eine großflächige Ausbreitung des Virus in Deutschland zu vermeiden.

Und jetzt Frankfurt. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hofft darauf, im Oktober eine Buchmesse durchführen zu können. Und mit ihm hofft eine ganze Branche.

Wie so vieles derzeit, bleibt vorerst offen, ob sich diese Hoffnung erfüllen kann. Und wenn es eine Buchmesse geben kann, wofür sich so viele gute Gründe anführen lassen, dann wird diese eine Buchmesse sein, die so ganz anders ist als all die Ausgaben seit ihrer Gründung im Jahr 1949.

Aber wie bei so vielen anderen Ereignissen (die Bundesliga ausgenommen), ist diese unvermeidbare Notwendigkeit zum Neuanfang eine große Chance. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass sich die Frankfurter Buchmesse, so wie sie im Herbst 2019 noch stattfand, längst nicht mehr in ihrer Hochphase befand. Hinter der Fassade aus Partylaune und hektischer Betriebsamkeit wurden die Klagen unüberhörbar, dass der Buchhandel die Messe nicht mehr nutzt, dass die Zahl der Aussteller, auch der internationalen, zurückgeht, dass zwar die Titelzahl weiter hoch ist, aber die Zahl der Leserinnen und Leser nicht, dass die Hotels unbezahlbar sind und der ganze Aufwand womöglich doch nicht lohnt.

Jetzt also eine Fastenzeit, eine Phase der erzwungenen Besinnung. An deren Ende kann ein Anfang stehen, ein Neustart einer anderen Buchmesse, einer Messe mit Zukunft.

Hoffen wir, dass die professionelle Kreativität der Macher zu mehr führt, als zu irgendwelchen neumodischen und schnelllebigen digitalen Konzepten und virtuellen Lösungen. Und drücken wir die Daumen, dass uns der Herbst 2020 ein solches Maß an (neuer) Normalität beschert, dass sogar internationale Buchmessen wieder möglich sind.

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