Wie schreibt man …

Der Duden als Unterhaltungslektüre?

„Saarbrücken, der Zug endet hier…!“ – Wer kennt nicht, diesen letzten und bedeutungsschweren Satz aus jenem Sketch[1], in welchem Loriot im Stil und Habitus eines Literaturkritikers das Kursbuch der deutschen Bahn vorliest?

Wie anders lässt sich doch der Duden lesen, jedenfalls mit höherem Erkenntnisgewinn. So erklärt dieser doch nicht nur die korrekte Schreibweise, sondern auch die Bedeutung der Wörter die zu Sätzen gefügt das Medium unserer Sprache und der Kommunikation ausmachen.

Doch sei die Lektüre des Duden mit Vorsicht angegangen, damit der geneigte Leser sich nicht verliere in den Buchstaben, sondern sie einsetze und ihnen Leben einhauche. Nicht dass es den Wörtern ergehe wie in dem Gedicht „Bibliothek“ von Ernst Jandel, welches wie folgt beginnt:

„die vielen Buchstaben
die nicht aus ihren wörtern können“

Eine Lektüre des Duden bringt auf jeden Fall Erkenntnisse und verbessert die Rechtschreibung ungemein.

[1] Zitat Duden:
Skẹtch, Skẹtsch [skɛt͜ʃ] der[es], –e
<it.-niederl.-engl.; »SkizzeStegreifstudie«>:
(besim KabarettVarieteeFernsehenaufgeführte) kurze,
effektvolle Szene mit meist witziger Pointierung“

Duden

 

Duden – Die deutsche Rechtschreibung: Das umfassende Standardwerk auf der Grundlage der aktuellen amtlichen Regeln (Duden – Deutsche Sprache in 12 Bänden)
Dudenredaktion

Das Eisenbahnunglück von Thomas Mann

Das Eisenbahnunglück

Der notorische Villenbesitzer, dessen Wohnsitz in Pacific Palisade gerade vom deutschen Staat gekauft wurde, ist immer dann am besten, reinsten und er selbst, wenn er Begebenheiten aus seiner eigenen Lebenswirklichkeit erzählt. Sei es in „Unordnung und frühes Leid“ oder eben wie hier zur Rede steht, im „Eisenbahnunglück“.

Thomas Mann schildert, wie sein Alter Ego im Nachtzug von München nach Dresden reist. Er fühlt sich geborgen in seinem Schlafwagenabteil erster Klasse, in dem er die Reise zu einer Lesung nach Dresden antritt. Er steht am geöffneten Abteilfenster, raucht seine Abendzigarre, freut sich, dass der Verlag alles zahlt und er, wie es ihm zusteht, „mit Komfort reist“. Entspannt beobachtet er das Treiben auf dem Bahnsteig und sieht den Schaffner, ein Wachtmeister–Typus, der mit seiner Umsicht und Strenge für ihn den Staat repräsentiert. Ein Herr setzt sich über ihn hinweg und nimmt sein Hündchen mit in das Abteil und eine einfache Frau wird barsch in die dritte Klasse verwiesen. Das ist unser Staat, fürsorglich und streng.

Der Zug fährt an, mitten in der Nacht kommt es zu einem Unfall, einer Entgleisung. Doch Gott sei Dank keine „allgemeine Ziehharmonika“ aber doch dergestalt, dass das gesellschaftliche Gefüge erschüttert wird. Der Herr mit seinem Windhund pocht jedoch weiterhin auf seine „gesellschaftlichen Vorrechte“. Der Wachtmeister „Staat“, in der Katastrophe Herr der Lage, weist ihn barsch in seine Schranken und die einfache Frau darf in der ersten Klasse Platz nehmen.

Wenn man so will, dann ist hier auch eine Vorahnung der gesellschaftlichen Umwälzung nach dem Ersten Weltkrieg enthalten. Es gab zwar nicht die „allgemeine Ziehharmonika“ wie nach dem Zweiten Weltkrieg, doch immerhin, die herrschende Klasse musste ihr Schoßhündchen in den Gepäckwagen schaffen und die einfache Frau darf in den Polstern der ersten Klasse Wagens Platz nehmen.

Ironisch schildert Thomas Mann hier seine eigenen Macken, sowie auch die damals herrschende Klassengesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg. Eine Gesellschaft, die uns heute so fern ist wie die frühe Kreidezeit, aber die noch nicht mal 100 Jahre zurück liegt.

Für Freunde des „Zauberers“, wie ihn seine Familie nannte. Diese Novelle ist eine amüsante und erhellende Pflichtlektüre für Einsteiger in den Kosmos von Thomas Mann und Freunde des Reisens mit dem Schlafwagen.

Frühe Erzählungen von Thomas Mann

„Das Eisenbahnunglück“ von Thomas Mann. Zu finden in
„Thomas Mann, Frühe Erzählungen 1893-1912“ bei Fischer Klassik.

Eine Pflichtlektüre: „Zeit“ von Rüdiger Safranski

Zeit – Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen

Sanduhr
Zeit

Rüdiger Safranski ist Philosoph und Literaturwissenschaftler. In seinem faszinierendem Werk „Zeit“ unternimmt er eine philosophische Reise durch die Natur der Zeit, welche sich über 10 Kapitel erstreckt. Er spannt einen Bogen von der „Zeit der Langeweile“ und der „Zeit des Anfangens“ über die „Lebenszeit und Weltzeit“ hin bis zu „Erfüllte Zeit und Ewigkeit“.

Safranski beweist abermals seine großartigen und breitgefächerten Geschichts- und Literaturkenntnisse. Das Buch enthält eine große Fülle von Zitaten und Besprechungen anderer Autoren zum Thema Zeit. Man mag sich kaum vorzustellen, welche Recherchearbeit in diesen 270 Seiten steckt. Hierdurch wird das Buch auch zu einem großen Katalog zum Thema Zeit. Im Laufe der Lektüre sieht man sich mehr und mehr motiviert die genannten Autoren näher kennenzulernen und deren Werke im Original zu lesen.

Ein Buch, das geradezu exponentiell wirkt: Wer dieses Buch liest, lädt sich geradezu weitere Bücher zum Lesen ein. Deren Lektüre kann Monate, wenn nicht sogar Jahre kosten. Es ist jedoch keinesfalls vertane Zeit.

Zeit von Rüdiger Safranski
„Zeit“ von Rüdiger Safrans, erschienen bei Hanser.

Immer Lesen schickt Bücher auf Reisen

Bücher auf Reisen
Bücher auf Reise

Wir schicken Bücher auf Reise

Immer Lesen liebt Experimente. Daher werden wir Bücher auf die Reise schicken, denn wir wollen herausfinden, wie es diesen dabei ergeht.

Damit aber noch nicht genug: Wir werden den Büchern auf Reise auch ein persönliches Tagebuch online zur Verfügung stellen, so dass darin der Reisefortschritt, interessante Begebenheiten und die Begegnung mit Lesern festgehalten werden kann.

Da aber Bücher nun einmal nicht selbst schreiben können, benötigen wir Sie als Freund und Betreuer der Bücher. Das bedeutet, dass Sie die Tagebucheintragungen für das Buch vornehmen müssen.

Sobald sie also irgendwo auf ein von Immer Lesen auf die Reise geschicktes Buch stoßen, so finden Sie darin einen Link auf einen persönlichen Blog des Buches. Dieser Link zeigt auf eine Unterseite von immerlesen.net. Dort können Sie dann aufschreiben, was immer das Buch Ihnen zu sagen hat.

Wie Sie diese Bücher auf Reise erkennen können und wie der Zugang zu immerlesen.net funktioniert, das werden wir Ihnen schon bald verraten.

Aber noch ist die Zeit dafür nicht reif…

Bleiben Sie dran!

Von Beruf Schriftsteller

Von Beruf Schriftsteller

„Von Beruf Schriftsteller“ von Haruki Murakami

Das Buch liefert einen spannenden Einblick in den Beruf des Schriftstellers und dessen Verhältnis zu seinen Lesern. Dabei räumt Murakami gründlich mit Klischees über den Charakter von Autoren auf. So stellt er zum Beispiel fest, dass das Schreiben eigentlich eine recht einfache Sache ist. Man benötige dafür nicht viel mehr als einen Kugelschreiber, etwas Papier und der Fähigkeit zu fabulieren. Das könne eigentlich jeder, der auch lesen kann. Keinesfalls aber wäre das Schreiben eine exakte Wissenschaft. Man müsse also nach Murakamis Ansicht nicht Literaturwissenschaften studiert haben, um einen Roman zu bewerkstelligen.

Diese Aussage sollte man als angehender Autor nun nicht unbedingt als Trost verstehen. Eine gute Bildung hat beim Schreiben schließlich noch nie geschadet. Murakami entzaubert das Schreiben nur auf den ersten Blick. Tatsächlich entfacht er mit seinem Werk die brennende Leidenschaft des angehenden Schriftstellers nur umso mehr.

Haruki Murakami schreibt selbst in englischer Sprache und überträgt den Text dann ins Japanische. Das führt zu seinem klaren, stringenten Stil, der auch eine weite internationale Verbreitung ermöglicht.

Die nun vorliegende deutsche Übersetzung wurde aus dem Japanischen ausgeführt. Das wirft interessante Fragen auf: Ist der Text durch die Transformation zu etwas neuem, einem eigenen Original geworden? Hat sich der Text unabhängig von seinem Autor gleichsam evolutionär fortentwickelt? Diese und ähnliche Themen werden übrigens in vorzüglicher Weise in „Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ von Tim Parks erörtert. (erschienen bei Kunstmann).

Von Beruf Schriftsteller

Haruki Murakami: „Von Beruf Schriftsteller“, übersetzt von Ursula Gräfe
Dumont, Köln 2016.

Stephen Hawking wird 75

Stephen Hawking wird 75

Stephen Hawking

Der berühmte britische Astrophysiker und Kosmologe Stephen Hawking wird heute, am 8. Januar 2016, 75 Jahre alt.

Zu seinen bekanntesten populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen gehören „Eine kurze Geschichte der Zeit“ (1991) und „Das Universum in der Nussschale“ (2003)

Immer Lesen gratuliert und dankt diesem großartigen und tapferen Wissenschaftler!

Eine Kurze Geschichte Der Zeit
„Eine kurze Geschichte der Zeit“, erschienen bei Rohwolt.

 

 

 

 

Das Universum in der Nussschale

„Das Universum in der Nussschale“, erschienen bei dtv.

 

 

„Höllensturz“ von Ian Kershaw

„Höllensturz. Europa 1914 bis 1945“ von Ian Kershaw

Höllensturz. Europa 1914 bis 1945

Der britische Historiker Ian Kershaw wurde 1943 in Manchester geboren und ist heute emeritierter Professor für Moderne Geschichte an der Universität Sheffield. Er beschreibt in seinem Werk, wie es zu dem 30-jährigen Bürgerkrieg in Europa kommen konnte, der als Synonym für die Zeit steht, in welcher die beiden Weltkriege in Europa ihren Ausgang nahmen.

Das Buch beginnt mit den politischen und gesellschaftlichen Konstellationen, die 1914 den Kontinent wie einen Schlafwandler in die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, den „Großen Krieg“ stolpern ließ. Ausgehend vom Friedensvertrag von Versailles zeigt Kershaw anschaulich die großen Linien auf, welche, wenngleich auch nicht zwangsläufig, zu autoritären Regimen in fast ganz Europa führte und in einem hochexplosiven Gemisch aus ethnischer Ausgrenzung und übersteigerten Nationalismus mündete. Das Buch schließt mit dem letzten Kapitel „Aufstieg aus der Asche“, wie sich der Kontinent mit Hilfe der USA neu erfand und den Weg der Kooperation und des Ausgleichs beschritt.

Kershaws Werk steht ganz in der Tradition der angelsächsischen Geschichtsschreibung. Es ist ein dichtes und mit tiefen Erkenntnissen gesättigtes Werk, welches auch für den Laien gut lesbar ist. Seine überzeugenden Analysen verstören umso mehr, als ähnliche Tendenzen wie in der Zwischenkriegszeit auch heute wieder auf der politischen Agenda auftauchen.

Im Vorwort schreibt Kershaw: „Selbstverständlich kann eine Geschichte Europas nicht die Summe nationaler Geschichten sein. Vielmehr geht es um die treibenden Kräfte, die den Kontinent als Ganzen oder zumindest die meisten seiner konstitutiven Teile geformt haben.“

Ein sehr empfehlenswertes und lesenswertes Buch, dessen Analysen beeindrucken.

Höllensturz

„Höllensturz. Europa 1914 bis 1945“, aus dem Englischen von Klaus Binder, Bernd Leineweber und Britta Schröder. Erschienen 2016 bei der Deutschen Verlags-Anstalt, München.

 

Der Stern des Bundes von Stefan George

Stefan George und sein Kreis

Im 1914 erschienen Gedichtband Der Stern des Bundes lesen wir:

Stefan George 1910 Foto Jacob Hilsdorf
Stefan George (1868 – 1933)
„Wer je die flamme umschritt
Bleibe der flamme trabant!
Wie er auch wandert und kreist:
Wo noch ihr schein ihn erreicht
Irrt er zu weit nie vom ziel.
Nur wenn sein blick sie verlor
Eigener schimmer ihn trügt:
Fehlt ihm der mitte gesetz
Treibt er zerstiebend ins all.“

Stefan George und sein Kreis waren päderastisch geprägt. George erhob den Anspruch auf Gefolgschaft an den Meister. Dafür steht das zitierte Gedicht beispielhaft. Er ist die Flamme und der Meister, den seine Jünger wie Trabanten umkreisen. Ohne ihn und sein Charisma sind sie nichts. Ohne seine Leuchtkraft zerstieben sie bedeutungslos ins All. George steht damit in der Tradition der „Religionsgründer“ des späten 19. Jh. Sei es Richard Wagner, der Nietzsche Kreis oder Rudolf Steiner und die Anthroposophen. George war ein begnadeter Selbstdarsteller und Schnorrer. Ausgezogen aus seinem Heimatort Bingen, lebte er die meiste Zeit des Jahres in Sommerhäusern und Villen seiner wohlhabenden, zumeist weiblichen Verehrer.

Seinem Kreis gehörten die Brüder Stauffenberg ebenso an wie bedeutende, durch ihn inspirierte Wissenschaftler. Zu nennen ist hier Ernst Hartwig Kantorowicz, welcher von George beeinflusst in den 20. Jahren eine bedeutende Monografie über den Stauferkaiser Friedrich II vorgelegte hatte. In diesem Werk wird vom „geheimen Deutschland“ geraunt. Diese Worte sollen auch die letzten Worte des gescheiterten Hitler – Attentäters Schenk Graf von Stauffenberg vor dem Erschießungskommando im Bendlerblock gewesen sein: „Es lebe das geheime Deutschland“.

Doch was war nun eigentlich der George–Kreis? Antworten finden sich bei Ulrich Raulff in seinem Werk „Kreis ohne Meister – Stefan Georges Nachleben, C.H Beck, 2009“. Zitat: „Der wichtigste Grund dafür ist die Existenz seines Kreises, den er in einer merkwürdigen, ordenhaften Sonderstellung zur gewöhnlichen Welt hielt. Durch die Mitglieder des Kreises gelangte er zu einer Übersetzung seiner poetischen Ideen in Werke einer esoterischen Essayistik; durch dieses Überspringen der Artengrenze wiederum gewann er Einfluss auf die Geisteswissenschaften seiner Zeit und Nachwelt“.

George steht in der Zeitgenossenschaft Rilkes. Seine Gedichte sind nahe am Kunstgewerblichen. Dennoch sind sie von großer Kraft und Seele. Nicht zuletzt übte der George–Kreis bedeutenden Einfluss auf die Reformpädagogik aus, die den platonischen Eros in den Mittelpunkt der Erziehung stellte. Die letzte Sumpfblüte dieses Erziehungsideals war der Skandal der aufgedeckten pädophilen Umtriebe an der Odenwaldschule in Oberhambach.

Mehr über das Leben Stefan Georges

Wer mehr über den Kreis erfahren möchte, dem sei auch die Stefan George Biografie von Thomas Karlauf empfohlen: „Stefan George. Die Entdeckung des Charisma“, erschienen bei Pantheon im Jahre 2008.

Der Stern des Bundes

„Der Stern des Bundes“ von Stefan George,
verfügbar bei Holzinger.

 

 

 

Diese Gedichtband können Sie beim „Projekt Gutenberg“ kostenlos online lesen:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-stern-des-bundes-5779

„Augustus“ von John Williams (1922 bis 1994)

„Augustus“ ist ein interessantes Buch, süffig zu lesen und steht nicht umsonst auf der Spiegel Bestseller Liste.

Der Inhalt in Kürze: John Williams, ein amerikanischer Autor und Hochschullehrer an der Universität Denver und Missouri, breitet in teilweise fiktiven Briefen der Akteure und mit Senatsprotokollen das Leben des Augustus in diachronen und synchronen Schnitten facettenreich und durchaus spannend aus. Zum Ende des Buches kommt Augustus in einem längeren Brief selbst zu Wort.

In einem Kaleidoskop verschiedener Stimmen entsteht in den Briefen das Rom der Bürgerkriege und der folgenden Pax Romana unter dem Princeps Octavius dem späteren Augustus.

Das Buch ist von leichter Lesbarkeit und gibt dem interessierten Laien einen Einblick in die Zeit der Bürgerkriege und dem sich anschließenden augusteischen Zeitalter. Die Handelnden werden durch Williams Kunstkniff der Briefe zu lebendigen Menschen der Gegenwart. Ihr historisch bedingtes Agieren wird auf diese Weise, indem er das menschliche in den Vordergrund rückt, zu nachvollziehbaren Bedingtheiten ihrer Persönlichkeiten in ihrer Zeit.

Wenn man so will, haben wir es hier mit einer Reportage aus dem Rom der Zeitenwende zu tun, welche im Ausbreiten der Intrigen um die Macht an die US-amerikanische Fernsehserie „House of Cards“ erinnert.

Für den historisch interessierten Laien ist Augustus eine leichte aber auch spannende Lektüre. Durchaus unterhaltsam, zum Teil auch interessant, aber nicht unbedingt große Literatur.

Augustus

Augustus von John Williams,
erschienen bei dtv.

 

 

Schuberts Winterreise von Ian Bostridge

Ein Sachbuch zu Schuberts Winterreise

Schuberts Winterreise

Der Brite Ian Bostridge wurde am 25. Dezember 1964 geboren. Schon als Schüler begeisterte er sich für die Lieder von Schubert und war besonders von dessen Winterreise fasziniert. Seine Liebe zu Musik und Gesang ließ ihn schließlich den Weg zum Sänger einschlagen. Schon bald wurde er zu einem gefeierten Opern- und Liedsänger. Schuberts Winterreise interpretierte Bostridge bislang mehr als 100 mal.

Im vorliegendem Buch breitet Bostridge sein über die Jahre erworbenes Wissen über die Texte und die Musik der Winterreise aus. Mit profunder Kenntnis und seinem Erfahrungsschatz als studierter Historiker lotet er die Entstehungsgeschichte der Winterreise und der gesellschaftlichen Situation der Zeit ihrer Entstehung aus. Bostridge faltet ein Diorama des Biedermeiers auf. Biografische Einzelheiten von Franz Schubert und Wilhelm Müller, welcher die Texte schrieb, runden diese Tour d‘ Horizon in die deutsche Romantik und Innerlichkeit ab. Ian Bostridge zeichnet die Winterreise als ein überzeitliches Kunstwerk in der Gegenwart.

„Täuschend schlicht, besitzen die 24 Lieder gleichwohl eine emotionale Tiefe und Kraft, die kein Werk dieser Gattung je wieder erreicht hat“, so heißt es im Klappentext.

Ein wundervolles, sanftes und kluges Buch. Die Lektüre lässt den Leser die Lieder in Schuberts Winterreise ganz neu hören.

Schuberts Winterreise

Schuberts Winterreise von Ian Bostridge, erschienen bei C.H.Beck