Giovannis Zimmer

von James Baldwin

Rezension: Walter R. Winter

James Baldwin (* 2. August 1924 in Harlem, New York City, New York, Vereinigte Staaten; † 1. Dezember 1987 in Saint-Paul-de-Vence, Provence-Alpes-Côte d’Azur, Frankreich)

James Baldwin ist einer der bedeutendsten amerikanischen Autoren des 20. Jh. Vor kurzem wurde sein Werk wieder entdeckt.  Der Dokumentarfilm „Im Not Your Negro“ von Raoul Peck 2016 rückte Baldwins literarisches Werk wieder in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. Seine Themen kreisen um Rassentrennung und Sexualität.  

Mit Giovannis Zimmer hat er 1956 einen Roman vorgelegt, der für diese Zeit als gewagt bezeichnet werden muss. 

Schlafzimmer

Schlafzimmer
Quelle: Immerlesen.net

Doch nun zum Inhalt:
Ein junger, gutaussehender weißer Amerikaner, David, lebt seit einiger Zeit in Paris. Er will demnächst heiraten. Seine Verlobte Hela ist auf Spanienreise. Sie will sich über Ihre Gefühle für David klar werden.

David hatte als jugendlicher erste sexuelle Erfahrungen mit einem Schulfreund gemacht. Er hat dieses Erlebnis als schmutzig verdrängt und sich in heterosexuelle Abenteuer gestürzt. So versucht er, die Verlockung der Homosexualität in sich zu bannen. In Paris verkehrt er gleichwohl im „Milieu“. Er lässt sich von älteren Homosexuellen zum Essen und zu Drinks einladen. Genießt es von ihnen umworben zu werden. Er gibt diesen Männern sein Lächeln, seine Gesellschaft. Erlaubt, dass sie sich mit ihm als vermeintliche Eroberung schmücken können. Doch er weißt ihr sexuelles Begehren als vermeintlich heterosexueller Mann zurück. Gleichzeitig verachtet er ihr werben um ihn. 

Eines Abends lädt ihn sein Verehrer Jacques zum Abendessen ein. Sie gehen danach in ein einschlägiges Lokal. Dort lernt er den neuen Barkeeper Giovanni kennen. Dessen Schönheit erschüttert ihn. Sie verlieben sich ineinander. Die Gäste des Lokals merken dies noch bevor es den beiden selbst richtig klar geworden ist. David zieht zu Giovanni, zieht in Giovannis Zimmer. Er hält das alles nur für eine Episode, jederzeit zu beenden, sobald seine Verlobte Hela zurück aus Spanien ist. Aber, der Roman endet tragisch. Am Ende hat David seine große Liebe Giovanni verloren und auch Hela.

Auf sprachlich höchstem Niveau schildert Baldwin Davids Zerrissenheit. Wie er sich zu Giovanni hingezogen fühlt, ihn begehrt und wie er fürchtet homosexuell zu sein. 

Ein Zitat aus dem Klappentext bring es auf den Punk:

Baldwin schildert die tragische Bindung zwischen zwei Männern mit künstlerischem Takt und souveräner Offenheit.

Ich meine, dieses Buch ist in höchstem Maße lesenswert, selbst nach so langer Zeit noch. Es sollte in keinem Bücherregal fehlen.

Giovannis Zimmer:
Erstveröffentlichung 1956, ungekürzte 7. Auflage April 1975 Rowolth Taschenbuch Verlag GmbH

Autor: James Baldwin
Genre: Roman
Verlag: Rowohlt

Anzeige

Anzeige

Hinterlassen Sie einen Kommentar





Anzeige