Der Untergang: Hitler und das Ende des Dritten Reiches

Autor: Joachim Fest
Genre: Essay
Verlag: Rowohlt

Eine historische Skizze

Fest erzählt anhand militärischer Quellen und Zeitzeugen die letzten Tage Hitlers im Bunker unter der Reichskanzlei. Dabei lässt er die Privatsekretärin Hitlers, Traudel Junge, den Rüstungsminister und einer der letzten Besucher im Bunker, Albert Speer, zu Worte kommen. Mit Speer verband Fest nach dessen Entlassung aus dem Kriegsverbrechergefängnis Spandau 1966 eine enge Freundschaft. Fest redigierte zusammen mit dem Verleger und Herausgeber, Jobst Siedler, Speers „Erinnerungen“. Ein Erfolg auf dem internationalen Buchmarkt. Aber das und Speers Stilisierungen zum reinen, unpolitischen Technokraten, ist eine andere Geschichte.

In acht Kapiteln, beginnend mit „Die Eröffnung der Schlacht“ bis zu „Der Untergang einer Welt“ reicht der Erzählbogen der letzten Tage Hitlers im Bunker unter der Reichskanzlei bis zu seinem Selbstmord.

Heute: «Berlin Mall»

Pikanterweise steht heute dort, wo die von Speer erbaute Reichskanzlei sich im Stil einschüchternder Herrschaftsarchitektur erhob, heute die „Berlin Mall“, ein gesichtsloses Shoppingcenter. Der Geländeabschnitt, in welchem sich der Notausgang des Bunkers im Garten hinter der Reichskanzlei befand, ist heute die Straße „In den Ministergärten“. Dort haben einige der Landesvertretungen der Länder beim Bund ihren Sitz. Daran schließt sich das Holocaust Denkmal und die Botschaft der USA am Pariser Platz hinter dem Brandenburger Tor an. Eine Ironie der Geschichte, wenn man so will.

Plastisch schildert Fest die klaustrophobische Enge der Bunkergesellschaft und die leerlaufende Routine. Ungebrochen ist Hitlers Autorität. Lagebesprechungen folgen auf Lagebesprechungen. Nicht existente Armeechors werden angefordert. Truppen, die es nicht mehr gibt werden verlegt. Die Stimmung schwankt zwischen Euphorie, dass doch noch Entsatz kommt, und tiefster Niedergeschlagenheit. „Wo bleibt Wenck? Wann tritt er an? Wenck wird die Sache in Ordnung bringen“, so die irrwitzige Hoffnung Hitlers und seiner Getreuen. Als die Meldung eingeht, dass General Wenck kurz vor den Vororten Berlins mit den Resten seiner Armee nach Westen abgeschwenkt ist, um sich den Amerikanern zu ergeben, wird klar, dass es zu Ende geht.

Hitler heiratet noch seine Geliebte Eva Braun. Wenig später begehen beide Selbstmord. Der Ausbruch der Überlebenden aus dem Bunker wird vorbereitet. Der für die Fernmeldeanlage zuständige Adjutant, Rochus Misch, bekommt von Goebbels die Weisung: „Misch, ich brauche Sie jetzt nicht mehr“. Goebbels und seine Frau vergiften Ihre sechs Kinder und töten sich selbst.

Verstörung

Verstört lässt einem die Lektüre zurück. Ein Irrwitz, wie in den letzten Stunden der Bunkerbesatzung noch immer Befehle befolgt und Erschießungen der abtrünnig gewordenen stattfinden konnten. Der Russe steht bereits am Potsdamer Platz und am Reichstag. Das sind Luftlinie zur Reichskanzlei gerade mal jeweils 800 m und noch immer funktioniert das System.

Joachim Fest ist ein glänzender Stilist. Er schreibt luzide und auf den Punkt. Kein Wort ist zu viel.

Eine Leseprobe:

„Am 29. April, einem strahlenden Frühlingssonntag, meldete der Führungsstab Nord, dass der Häuserkampf im Zentrum von Berlin Tag und Nacht tobe.“

Anzeige

Autor: Joachim Fest
Genre: Essay
Verlag: Rowohlt

Anzeige

Anzeige

Kommentieren





Anzeige