Immerlesen guckt fern: „Der Buchladen der Florence Green“

Englisches Fischerdorf Quelle: Shutterstock, 109438019 (Fishing village of Port Isaac, on the North Cornwall Coast, England U)

Von Walter R. Winter, 5. November 2018

Hier einmal eine ungewöhnliche Empfehlung. Wir empfehlen einen Film. Gesehen auf iTunes am Samstag 4. November 2018.  

„Der Buchladen der Florence Green“ 

Der liberale Zeitgeist will in ein konservatives Fischerdorf im England der fünfziger Jahre einziehen: Isabel Coixet inszeniert Penelope Fitzgeralds 1978 erschienen Roman mit Emily Mortimer in der Hauptrolle. Die Handlung ist in dem kleinen britischen Küstenort Hardborough des Jahres 1959 angesiedelt, wo Florence ein altes Haus erwirbt, um darin einen Buchladen zu eröffnen. Für Florence sind Bücher ein unverzichtbares Überlebensmittel und sie ist der festen Überzeugung, dass die Bewohner des abgelegenen Fischerdorfes bald ihre Begeisterung teilen werden.

Englisches Fischerdorf

Englisches Fischerdorf
Quelle: Shutterstock, 109438019 (Fishing village of Port Isaac, on the North Cornwall Coast, England U)

In Großbritannien dieser Jahre ist die Klassengesellschaft noch sehr lebendig. Bei einer Einladung im Herrenhaus wird Florence mit stiff upper lip deutlich zu verstehen gegeben, dass der Ort eigentlich keine Buchhandlung benötige. Lesen würde die Leute nur von der Arbeit abhalten. Im Übrigen befindet seine Lordschaft und ihre Ladyship über den Wert von Literatur. Dieses könne keinesfalls einer Buchhändlerin obliegen. Außerdem habe man mit dem Haus der Buchhandlung andere Pläne. Hinter der Fassade gediegener Konversation zeigt sich die Böswilligkeit und Borniertheit des provinziellen Establishments, welches gleichwohl die meiste Zeit des Jahres in London verbringt.

Dennoch geht die kleine Buchhandlung an den Start. Sie führt sogar Nabokovs gerade erschienen Roman „Lolita“ im Sortiment. Das sorgt für gehörige Aufregung im Ort. 

Ein in seinem manor house zurückgezogen lebender, hagerer, älterer Gentleman unterstützt die Buchhändlerin. Er lässt sich von Ihr neue Bücher zusenden. Zwischen den beiden entsteht sachte und mit emotionalen Understatement gespielt, zunächst scheue Zuneigung. Trotzt des großen Altersunterschiedes entwickelt sich dennoch ein tiefes Gefühl der Seelenverwandtschaft zwischen beiden, welches berührt. 

Mehr sei hier nicht verraten. Der Film ist leise angelegt und setzt die herbe Landschaft dieses Teiles der britischen Insel in wunderbare Bilder.

Auch ein Film kann somit zum Lesen inspirieren. Penelope Fitzgeralds Roman wird mit Sicherheit eine meiner nächsten Lektüren sein.  

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